Insgesamt zwölf Mitglieder wurden im vergangenen Monat offiziell in den Kreis ernannt. Dabei soll es sich laut Bundesinnenministerium um Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis, die eine breite fachliche Expertise zu Aspekten und Auswirkungen und der Prävention von Muslimfeindlichkeit in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen repräsentieren, handeln. Unter anderem wurden Saba-Nur Cheema von der Bildungsstätte Anne Frank, Prof. Dr. Iman Attia von der Alice Salomon Hochschule Berlin und Dr. Yasemin Shooman vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) berufen. Vor allem aber die Ernennung von Nina Mühe (CLAIM) in das Gremium rief jedoch größere Kritik hervor.
Mühe gilt als hervorragend innerhalb der Zivilgesellschaft vernetzt. Als Projektleiterin ist sie das Aushängeschild von CLAIM - Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit und im Themenbereich „Muslimen in Deutschland und Europa“ als Stichwortgeberin über die Landesgrenzen hinaus prägend. So ist sie als Diversity Trainerin im „Belieforama“-Programm zu Religiöser Vielfalt und Antidiskriminierung der Organisation Ceji in Brüssel aktiv und arbeitete an dem Projekt ‚Alternative Voices on Integration’ des Institute of Race Relations in London mit. Von 2010 bis 2013 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Europa Universität Viadrina für das EU-Forschungsprojekt „ACCEPT Pluralism“ tätig.
Die Ethnologin Mühe war aber auch
in dem vom Berliner Verfassungsschutz beobachteten Verein Inssan
aktiv. Der Inlandsgeheimdienst zählte Inssan zu einer Reihe von
Vereinen die zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD), der
mitgliederstärkste Organisation von Anhängern der
Muslimbruderschaft in Deutschland, enge Verbindungen hält. Die
Hintergründe des Vereins recherchierte der Deutschland-Korrespondent
des New Yorker Wall Street Journals und Pulitzer-Preisträger Ian
Johnson. „Nach unseren Recherchen müssen wir davon ausgehen, dass
Inssan das Ziel verfolgt, eine konservative, antiintegrative Form des
Islams zu fördern, die mit der Islamauffassung der
Muslimbruderschaft übereinstimmt“, erklärte Johnson schon 2008 gegenüber dem Tagesspiegel.
Um
organisatorische und inhaltliche Verbindungen zu verschleiern,
veranstalten die Aktivisten aus dem Aktionsgeflecht der Muslimbrüder
ein veritables Versteckspiel. Mühe, die auch als Projektleiterin der
Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus das Modellprojekt
„Akteure der Jugendbildung stärken – Jugendliche vor
Radikalisierung schützen“ leitete, lies 2006 kurz vor ihrem Marsch durch die Institutionen verbreiten,
dass sie eine „ehemalige Mitarbeiterin von Inssan e.V.“
sei.
Konterkariert wurde ihre Aussage kurz darauf in dem Buch
„Kulturelle Anpassungsleistungen muslimischer
Jugendlicher in Deutschland unter Wahrung der religiösen Identität“
von Barbara John (CDU). Die ehemalige Ausländerbeauftragte des
Berliner Senats verweist in ihrer Publikation auf die Ergebnisse
„einer schriftlichen Befragung der Autorin vom Juni 2007“. Als Interviewpartner gibt die Christdemokratin „Chaban Salih und Nina
Mühe“ an, die sie als „Mitglieder im Verein Inssan“ ausweist.
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Screenshot aus "Kulturelle Anpassungsleistungen muslimischer
Jugendlicher in Deutschland unter Wahrung der religiösen Identität" von Barbara John |
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